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Toretzk im Donbass: Hart umkämpft, dennoch arbeiten dort Bergleute weiter

Die Wasserverteilung im Hof der Mine wurde für die Frauen der Bergarbeiter organisiert, denn in manchen Stadtteilen gibt es seit drei Monaten kein Trinkwasser mehr und seit einigen Tag kein Gas mehr. Ein Bergarbeiter braucht 100 Liter Wasser um sich zu waschen, wenn er aus der Mine kommt. Und dann muss ja auch die Familie etwas bekommen. Strom gibt es auch nicht mehr.

Die Stadt Toretzk liegt nur 4 Kilometer von der Kampflinie. Täglich gibt es Bombardierungen. Dennoch arbeiten 1200 Bergarbeiter und Bergarbeiterinnen in der 950 Meter tiefen Grube, um Kohle abzubauen. Die Mine arbeitet bei 30 Prozent ihrer Kapazität. Die Mine wurde vor 167 Jahren eröffnet und war seitdem immer in Betrieb. Die Mine kann nicht stillgelegt werden, denn dann würde das ganze Grubenwasser, das täglich abgepumpt wird, die Böden überschwemmen und sie vergiften. Die 1200 Kumpel fahren jeden Tag ein, um mit einem flauen Gefühl im Magen Kohle zu fördern. Das Gestein ist sehr schwierig abzubauen, es braucht sehr viel Handarbeit. Aber es gibt nichts Besseres, um hochwertigen Stahl herzustellen. Auch Frauen fahren in die Mine ein. Sie sind für die Qualitätskontrolle der Kohle eingeteilt. Mit dem Krieg ist die Sicherheit der Grubenarbeiter nochmal wichtiger geworden. Es wurde ein System mit Generatoren installiert, dass die Bergleute nach oben bringt, für den Fall, dass sie da unten eingeschlossen werden. Denn seit dem Beginn der russischen Offensive wurde die Mine zweimal getroffen. Hammer, Sichel und rote Sterne in der Empfangshalle der Mine, wollten Mitglieder des Regionalrates entfernen lassen. Dagegen wehrten sich die Minenarbeiter: „Aber das ist unsere Geschichte. Das symbolisiert unsere Arbeit, das, was wir einmal waren“, unterstreichen sie mit Stolz im Blick. Die Geschichte und Kultur der Minenarbeiter ist eines der kulturellen Fundamente der Region, wie die 120 Kilometer von der Front entfernt gelegene Stadt Stachanow bezeugt. Der heldenhafte Kumpel Alexei Stachanow vollbringt 1935 die Meisterleistung, innerhalb von sechs Stunden – statt der im Plan vorgegebenen sieben – 102 Tonnen Kohle aus der Grube zu holen. Sein Name ist als Bezeichnung für einen unerbittlichen Arbeiter in die Alltagssprache eingegangen.