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Deutschland: Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Psychologen gegen Zechenflutung und Giftmüll unter Tage

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die vergangenen Tage haben dramatisch gezeigt, wie der Übergang in eine globale Umweltkatastrophe voranschreitet. Welche elementare Bedeutung das Wasser und Gewässer bei diesem ganzen Prozess haben, wurde mehr als deutlich von den dort wirkenden Gewalten demonstriert. Auch hier zeigt sich in verheerender Weise das Ausmaß der vorausgegangen Ignoranz der Probleme bei Regierung und Behörden. Wir alle sind in großer Sorge und Solidarität mit den Betroffenen verbunden und betrauern inzwischen mehr als 170 Tote. Über 150 Praxen von Ärzten und Zahnärzten und mehrere Apotheken sind zerstört und es ist gut, dass die KV hier ebenfalls zur Unterstützung aufgerufen hat.

In den Gebieten, wo Wasser, Schutt und Schlamm sich verbunden haben mit Keimen, Parasiten und chemischen Giften, wo es noch kein fliessendes Wasser und keinen Strom gibt, drohen jetzt auch Infektionskrankheiten und eine zunehmende Vergiftung von Menschen, Tieren und Pflanzen. Wie sich das auf die Entwicklung der Corona-Pandemie auswirken wird, wird sich bald zeigen. Mehrere unserer Nachbarländer waren ebenfalls betroffen (Belgien, Luxemburg, Niederlande, Österreich), gleichzeit erleben wir 47 Grad-Hitze in Kanada, und Nordwesten der USA, Hitzewellen in anderen Regionen Europas, Waldbrände, Dürre, beschleunigte Eisschmelze. Zurück zu den regionalen Unwetterkatastrophen in NRW, Rheinlandpfalz, Sachsen und Bayern: Wir plädieren für ein sorgfältiges Umweltmonitoring und umfassende Maßnahmen der Vorbeugung und Gefahrenabwehr. In diesem Zusammenhang erheben wir auch die Forderung, dass untersucht wird, wie durch das Üeberlaufen von Flüssen, in die Grubenwasser eingeleitet wird, z.B. Ruhr und Rhein, PCBs und andere Schadstoffe aus dem Giftmüll in die Überflutungsgebiete eingebracht wurden. Auch engmaschige Kontrollen des Trinkwassers sind angesagt, da in NRW ein Großteil des Trinkwassers aus Uferfiltrat gewonnen wird. Alarmierend ist, dass die Ruhrkohle AG (RAG) jetzt versucht, auch im Saarland unbemerkt von der Öffentlichkeit vollendete Tatsachen zu schaffen. Ein Mitstreiter aus dem Saarland berichtet: „Jetzt gab es wieder ein neues Gutachten, ein sogenanntes Obergutachten, welches der RAG bescheinigte, durch die Flutung der Gruben gäbe es keine Auswirkungen auf das Grundwasser. Bewusst wurden die Gefahren heruntergespielt und es wurde so getan, als könne der erste Schritt der Flutung auf 320 Meter Tiefe losgelöst vom Gesamtplan der Flutung mit freiem Auslauf des Grubenwassers in die Saar bei Ensdorf behandelt werden. Genau darin aber liegt die Brisanz: Mit dem Anstieg des Grubenwassers in der ersten Stufe werden die Giftlagerstätten in den Strecken durchflutet und die giftigen Stoffe freigespült. Die RAG hat mittlerweile aufgegeben, die Gifteinlagerungen zu leugnen und behauptet jetzt in zahlreichen Zeitungsanzeigen, die giftige Fracht – darunter Arsen, Quecksilber, Dioxine – sei unter Tage „sicher eingeschlossen“ und könne nicht mehr mit der Umwelt in Kontakt kommen. Das kann jeder widerlegen, der weiß, dass das salzhaltige Grubenwasser die alten Fässer und das Gemisch aus Zement, Giftstoffen und so weiter zersetzt. Egal, ob die Pumpen dann wieder eingeschaltet werden oder das Wasser in der zweiten Stufe weiter ansteigen gelassen wird, das Gift ist freigesetzt und bedroht damit Grundwasser und Trinkwasser. Mit dem steigenden Grubenwasser steigt auch der Wasserdruck unter Tage und Grubengas wird an die Oberfläche gedrückt. Damit auch das Gas Radon, das mittlerweile als krebserregend eingestuft ist. Bereits jetzt ist die Krebshäufigkeit in Gebieten, wo Grubengas über Tage austritt, überdurchschnittlich hoch.“

Unsere Studie zur Untersuchung von 100 Bergleuten auf PCBs und Schwermetalle läuft! Die ersten Bergleute wurden untersucht, weitere haben sich angemeldet. Mit 4 Teilnehmerpraxen in Duisburg, Recklinghausen und Gelsenkirchen sind wir hier noch zu schwach aufgestellt und bitten dringend um Ihre / Eure Initiative, a) weitere Praxen zur Teilnahme zu gewinnen, besonders gefragt sind Dortmund, Bergkamen, Ibbenbüren und Saarland, und b) wo Kontakte bestehen, z.B. unter den eigenen Patienten, Bergleute über die Möglichkeit der Teilnahme an der Studie zu informieren. Auf das Spendenkonto bei der Umweltgewerkschaft sind bisher ca. 700 Euro eingegangen, also circa 10% des notwendigen Betrags. Wir sagen herzlichen Dank und bitten um weitere Spenden und Verbreitung der Aktion. Die Umweltgewerkschaft freut sich auch über jedes neue Mitglied!

Spendenkonto: Sparkasse Darmstadt mit dem

Stichwort „Spende PCB-Testung“

IBAN: DE16 5085 0150 0111 0988 08.

Wir werden die Untersuchungsphase bis Ende September verlängern.

Auch wenn jetzt ein namhafter Experte für die Studienauswertung gewonnen werden konnte, sind wir weiterhin dankbar, wenn wir für das Auswertungs-Team noch Verstärkung bekommen, auch ein Medizinstatistiker wird noch dringend gesucht.

Im Anhang finden Sie den Flyer von Kumpel für AUF, der Bergleute und ihre Familien über die Studie informiert, außerdem ein Infoblatt über die Kontaktrisiken der Bergleute zu den Giften sowie eine Anleitung für den Studienablauf für Teilnehmer-Praxen.

Wir hoffen, es geht Ihnen / Euch gut, herzliche Grüße

Dr. med. Günther Bittel – MVZ Duisburg-West/Schmerzzentrum Duisburg – Krefelderstrasse 26 – 47226 Duisburg . Tel. 02065 31181